Monatsarchiv: Juni 2009

Nachhaltiges Design: Cradle to Cradle

cradletocradleWie im letzten Beitrag bereits angekündigt, folgt nun eine detailliertere Beschreibung des Cradle to Cradle-Prinzips für alle Interessierten.
Konventionelle Produktionsweisen arbeiten nach dem Prinzip “Cradle to Grave”: Ein Produkt wird produziert, benutzt, und dann entsorgt – oft mit nicht unerheblichem Schaden für die Umwelt. Auch Strategien, die Umweltbelastung von Produkten zu verringern, bleiben trotz allem diesem Schema verhaftet: Es wird versucht, Schadstoffe zu reduzieren, den Energieverbrauch zu senken, öko-effizient zu sein: das Grundkonzept der Industrieproduktion bleibt unangetastet. Auch der konventionelle Recyclingprozess, oft viel zu teuer, produziert Stoffe, die immer minderwertiger sind als vor dem Recycling – es gibt kein sog. “Upcycling”, sondern nur “Downcycling”.

Das Cradle to Cradle-Prinzip, entwickelt von Michael Braungart und William McDonough, bricht mit der “Produktion für die Mülltonne” und baut im Wesentlichen darauf auf, dass in der Natur Abfall immer auch Nährstoff für andere Lebewesen und Pflanzen ist. Und dass es in der Natur viele Beispiele für Verschwendung gibt, die dennoch nicht die Lebensgrundlage für andere Lebewesen gefärden. Es baut auf zwei Kreisläufen auf: einem für technische, einem für biologisch abbaubare Stoffe. Im technischen Kreislauf zirkulieren diejenigen Materialien und Produkte, die nach Benutzung recycelt und wieder zu neuen technischen Stoffen – ohne Wertverlust – verarbeitet werden können: sog. “Gebrauchsgüter”. Im biologischen Kreislauf zirkulieren die sog. “Verbrauchsgüter”, die nach ihrer Nutzung durch biologische Zersetzung wieder Nährstoff für die Natur sind – ohne toxische Rückstände.

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© EPEA

Beispielhaft für ein “Verbrauchsgut” und den biologischen Kreislauf sei hier ein Projekt aus dem Bereich Bekleidung vorgestellt: ein kompostierbares Baumwoll-T-Shirt von Trigema (in Sachen Schnitt und Design vielleicht nicht gerade das Must-Have der Saison…), das mit einer synthetisch hergestellten, kompostierbaren Farbe gefärbt wurde. Der Zersetzungsprozess des T-Shirts ist auf der Seite von Trigema zu bewundern – auch wenn wir unsere alten T-Shirts lieber den Franziskanern geben für ihre Kleiderkammer.

© EPEA

© EPEA

Ein weiteres Projekt, das oft genannt wird, ist der “Mirra“-Stuhl von Hermann Miller (zu erwerben für schlappe 1.426 Euro bei memo, ab 3 Stück gibt´s Rabatt!). In einem schweißtreibenden Prozess wurde dieser Stuhl über Jahre von der Firma unseres ehemaligen Professors Burkhard Schmitz, Studio 7.5,  entwickelt: Ein Beispiel für ein Produkt, das zu 95% aus recycelbaren, ungiftigen Materialien besteht, die praktisch ohne Wertverlust in einen technischen Stoffkreislauf zurückgeführt werden können. Dies liegt vor allen Dingen daran, dass der ganze Stuhl in seine Einzelkomponenten zerlegt werden kann, die dann jeweils wieder einer neuen Nutzung zugeführt werden können.

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Nachhaltiges Gestalten – Druck und Papier (03)

Recyclingpapier: Giftmüll oder Umweltschutz?

Blauer Engel_014_434Im Oktober letzten Jahres lauschten wir interessiert den Ausführungen von Prof. Dr. Michael Braungart zum “Cradle to Cradle”-Prinzip im IDZ. Cradle to Cradle (von der Wiege zur Wiege) baut im Wesentlichen darauf auf, dass die Natur keinen “Müll” produziert, sondern Abfall immer auch Nährstoff für andere Lebewesen und Pflanzen ist. Das Cradle to Cradle-Prinzip beinhaltet deshalb zwei Kreisläufe – einen für technische, einen für biologisch abbaubare Stoffe. (Mehr zu Cradle to Cradle demnächst).

Cradle to Cradle stellt auch die bisherigen Recyclingstrategien in Frage, da oft die Ausgangsmaterialien gar nicht so konzipiert sind, dass sie ohne gehörigen Wertverlust einem stofflichen Kreislauf zugeführt werden können. Prof. Braungart streifte in diesem Zuge auch die Thematik des Papier-Recyclings und vertrat die Ansicht, dass Recyclingpapier tendenziell toxisch ist, da das bedruckte Ausgangsmaterial nicht für den Recyclingprozess vorgesehen ist.
Die derzeit verwendeten Druckfarben seien schädlich und durch die Verbindung von Farbe und Papier beim Druck wäre sowohl das Ausgangsmaterial für den Recyclingprozess (bedrucktes Altpapier) als auch das Endprodukt – Recyclingpapier – belastet.

Wir waren bisher davon ausgegangen, dass sowohl die Benutzung als auch die Herstellung von Recyclingpapier in Sachen Umweltschutz die beste Alternative ist – die Informationen von Prof. Braungart, dessen Ausführungen sehr überzeugend waren, stimmte uns nachdenklich. Und wir versuchten, Näheres herauszufinden…

Die Website vom EPEA – Internationale Umweltforschung GmbH – hielt leider keine diesbezüglichen Informationen bereit, aber eine Telefonnummer. Und die habe ich einfach mal angerufen, um rauszufinden, wie wir denn ab sofort wirklich umweltfreundliche Druckerzeugnisse herstellen können – die nach ihrer Nutzung, wenn schon nicht kompostierbar, dann doch anderweitig in einen Materialkreislauf zurückgeführt werden können. Wir wussten nicht, dass das der Anfang einer Odyssee war, die die ganze Problematik “Was ist nachhaltig?” Und: “Wie verhalte ich mich nachhaltig?” anhand eines Teilbereiches sehr gut verdeutlicht…

Aber: Alles schön der Reihe nach – und in diesem Fall: Unser kleinen Reihe “Nachhaltiges Gestalten – Druck und Papier” nach. Deshalb: Mehr dazu in in Kürze!

rechtsNur so viel vorab: Recyclingpapier ist zur Zeit erste Wahl, was den Umweltschutz angeht! Und am besten Recyclingpapier, das mit dem Blauen Engel ausgezeichnet ist. Denn der Blaue Engel bezeugt bei der Umweltverträglichkeit u.a., dass bei der Herstellung keine krebserzeugenden oder anderweitig gesundheitsschädlichen Färbemittel verwendet wurden. Für andere im Endprodukt enthaltenen Anteile an Schadstoffen werden Grenzwerte festgelegt.

* NB

SWWSW aktiv beim Carrotmob

Jawohl, wir waren da. Denn wo es um die gute Sache geht, darf SWWSW nicht fehlen. Hier das Beweisfoto:

Nicole und Sylke von schœner.wærs.wenns.schœner.wær beim Karotten Mobbing

Nicole und Sylke von "schœner.wærs.wenns.schœner.wær" beim Karotten Mobbing

Und – man beachte – wir haben sogar ‘ne Bio-Limo im Späti gefunden und sofort käuflich erworben.

“Und wat passiert nu?”, wird sich der eine oder andere nun fragen. Nun, über carrotmobberlin.com kann man sich über den aktuellen Stand der Dinge auf dem Laufenden halten.
Als wir das letzte Mal geguckt haben hieß es dort:
“Wir sind mit Peter, unserem Energieberater, dran und fangen in den nächsten Tagen mit dem Umbau an… #carrotmob#berlin”

Na dann.

*SR

Real Human Interface

by Multitouch Barcelona

by Multitouch Barcelona

“Hi” – the real human interface von Multitouch Barcelona. Hier geht’s zum Video ->

via vimeo.com + Steph

*SR

Charta für Nachhaltiges Design von SWWSW unterzeichnet

SWWSW_Logo

Der Name ist Programm. Wir wollen mit besserer Gestaltung die Welt ein Stück schöner machen, unser Potenzial ein Stück zielgerichteter einsetzen und unseren geliebten Beruf ein Stück sinnvoller gestalten. Zja. Und der eine oder andere wird sich schon gefragt haben, was meinen die denn eigentlich mit “besserem oder nachhaltigem Design”?
Der AGD (Allianz Deutscher Designer e.V.) hat dazu eine Charta für nachhaltiges Design formuliert, die jeder Designer freiwillig unterzeichnen kann, um seinen Willen zur kreativen nachhaltigen Zukunftsgestaltung und Verantwortungsübernahme zu untermauern. Und wir haben sie unterzeichnet, weil es ganz gut fasst, worum es uns eigentlich geht. Der genaue Wortlaut der Charta ist auf unserer “Über.-Seite” zu finden.

Zitat zur “Charta für nachhaltiges Design” vom AGD:

Die „Charta für nachhaltiges Design“ ist eine Selbstverpflichtung, die jede Designerin und jeder Designer freiwillig unterzeichnen kann. Sie gibt einen Rahmen vor, der das nachhaltige Handlungsspektrum im Bereich Design umreißt; sie ist ein Instrument, um die Beschäftigung mit der ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Verantwortung, die jeder Designer hat, zu fördern. Durch die Unterschrift demonstrieren die Unterzeichner, dass sie sich den Zielen des nachhaltigen Designs verpflichtet fühlen. Die Designer belegen ihre gesellschaftliche Verantwortung. [...]

Wir begreifen nachhaltiges Design als Prozess; die stetige Verbesserung steht im Vordergrund und nicht das 100% nachhaltige Produkt. Und: Wesentlicher Bestandteil jeglichen nachhaltigen Design-Prozesses ist die Beratung. Grundlage dafür wiederum ist ein profundes Wissen und die stetige Fortbildung der Designer.

Mehr Infos unter agd.de

SWWSW_Siegel* SR+NB

Dispatchwork von Jan Vormann

Fotos von Jan Vormann

Fotos von Jan Vormann

Dispatchwork ist ein Projekt von Jan Vormann, wobei er mit Lego-Steinen Lücken in Wänden und Fassaden im öffentlichen Raum füllt und so die Strasse zum Kinderzimmer macht. In Bocchignano, einem Dorf in der Nähe von Rom, und Tel Aviv war er schon fleissig und zurzeit ist Jan Vormann in Berlin. Er und viele spontane Helfer stopfen die Einschusslöcher aus dem 2. Weltkrieg in einem Gebäude der Humboldt-Universität. Aber auch an vielen anderen Stellen in der Stadt kann der aufmerksame Beobachter Werke von ihm entdecken.

thumb_1235197114Noch bis zum 13. Juni sind seine Arbeiten im Projektraum der Galerie Jarmuschek + Partner in Berlin zu bewundern.
*SR

Boomerang von Greenpeace

“In France we don’t pollute. We use nuclear energy.”

“In France we don’t pollute. We use nuclear energy.”

Greenpeace startete vor einiger Zeit in Frankreich eine Kampagne mit bedruckten Boomerangs. Sie sollte den französischen Konsument daran erinnern, daß die Umweltthemen, die er naiv zu vermeiden sucht, ihn unweigerlich wieder einholen werden. Warnhinweise zu den langfristigen Auswirkungen der Kernenergie, dem unverantwortlichen Einsatz von Wasser und der generellen Umwelt-Apathie waren Inhalt der Boomerang-Botschaften.

via theinspirationroom.com + Steph

*SR

Boykott war gestern – Carrotmob hits Berlin!

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Es folgt ein Aufruf der Ecofashion Junkies:

1. Mach mit am 13. Juni!

Kaufe am 13. Juni 2009 um 16 Uhr im “Spätkauf MultiKulti” in der Wienerstraße 40. Der Laden wird satte 35% des in dieser Zeit erzielten Umsatzes dazu verwenden, seinen Laden energieeffizienter umzubauen, und so langfristig seine CO2-Bilanz zu senken und damit das Klima zu schützen. Wenn du dabei bist, können wir wirklich etwas verändern. Hier der Späti auf der Karte.

Ausgewählt wurde der Laden, der bereit ist, in einer Wettbewerbssituation mit weiteren „Spätis“, mehr als die anderen in energiesparende Maßnahmen zu investieren. Der Carrotmob gibt dem Besitzer die Chance, sein Nachhaltigkeits-Image und seine Bekanntheit zu steigern und außerdem an dem Tag der Aktion eine Menge Umsatz mehr zu machen! Für ihn heißt das ganz klar: Ein Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz. Für den Konsumenten heißt das: Den “Erfolg und Misserfolg am Markt” mit sozialer und ökologischer Verantwortung zu verbinden. Der Carrotmob Berlin wurde von den Eco Fashion Junkies ins Rollen gebracht und wird nun in Zusammenarbeit mit anderen Aktiven freiwillig und unentgeltlich organisiert.

Hinweis: Bitte a) reise nicht extra zwei Stunden mit Auto und Bahn für den Carrotmob an (gerne aber mit dem Fahrrad!) und b) kauf auch nicht mehr ein als du brauchst und auch normal einkaufen würdest! Es geht bei der Aktion darum die Macht des bewussten Konsums zu zeigen – nicht extra CO2 in die Luft zu blasen oder den sinnlosen Konsum zu fördern…

2. Spread the word

Sag allen deinen Freunden Bescheid! Trag’dich in den Newsletter ein, folg uns auf twitter.com oder trete den studiVZ/Facebook/myspace Gruppen ‘Carrotmob Berlin’bei und lade deine Freunde und Bekannten dazu mit ein.

3. Give a hand

Gründe einen eigenen Carrotmob in deiner Stadt! Oder hilf mit www.carrotmob.de, www.carrotmobberlin.com oder www.cloudshopping.net weiter zu entwicklen.

via carrotmobberlin.com

Wir von “schoener.waers.wenns.schoener.waer” sind live dabei und versuchen dann im „MultiKulti Spätverkauf“ irgendetwas zu erwerben, was auch noch als nachhaltiger Konsumartikel durchgehen könnte – wir verrückten konsequenten Hühner.

*SR+NB

Nachhaltiges Gestalten – Druck und Papier (02)

Märchen & Mythen – Holzfreies Papier oder:
Tue ich der Umwelt etwas Gutes, wenn ich holzfreies Papier kaufe?

holzfreiGemeinhin könnte man annehmen, dass auch bei Papier “drin ist, was drauf steht” – oder in diesem Fall besser: drin fehlt, was drauf steht – nämlich Holz. Dies ist allerdings ein weit verbreiteter Irrtum und könnte auch gut in die Kategorie “Irreführung des Verbrauchers” passen. Holzfreies Papier heißt nämlich nicht, dass für dieses Papier keine Bäume gefällt werden mussten, sondern dass dieses Papier kein Lignin (Holzstoff) enthält.

Was ist Lignin? Der Holzstoff Lignin findet sich zwischen den Zellen der Holzfaser und verklebt diese miteinander. Papier, das Lignin enthält, altert schneller – es verfärbt sich braun und wird brüchig, da Lignin die Eigenschaft hat, mit Sauerstoff und Licht zu reagieren. Sog. “holzfreies” Papier ist deshalb hochwertiger und alterungsbeständiger – was für viele Zwecke wichtig ist.

Die Bezeichnung “holzfrei” trifft damit aber keinerlei Aussage zur Umweltfreundlichkeit des Papieres, noch deutet es daraufhin, dass dieses Papier aus anderen Fasern wie Baumwolle, Hanf, Leinen, Flachs oder etwa Synthetik besteht. Weiterlesen

2012 Architects beim DMY-Symposium

Villa Welpeloo

Villa Welpeloo, © Jeroen Bergsma/2012Architecten

Aus Anlass des letzten Laborgesprächs zum Thema “Ready made Architecture” in der Galerie Aedes hatte ich bereits die Arbeit von Köbberling & Kaltwasser vorgestellt. Ein weiterer Gast war Jan Jongert von 2012 Architecten, der morgen – am 06. Juni – beim DMY Symposium einen Vortrag im Rahmen des Themenkomplexes “Nachhaltigkeit” hält.

Superuse. 2012Architects erklären ihre Auffassung, Wiederverwendung als ganzheitliche Designstrategie zu begreifen sowie ihr Konzept zur Auffindung von “Abfall” mithilfe einer Ernte-Karte. Die Lecture zeigt, wie die Resultate in Entwürfe integriert werden.

“How can you create beauty out of waste?” – das bezeichnete Jan Jongert als die zentrale Frage in der Arbeit von 2012 Architects. Sie benutzen gefundene Materialien (“Müll”) und geben ihnen einen neuen Sinn – in einem anderen Kontext. Ausgediente Windräder, alte Fenster- und Türrahmen, ganze Fabriken werden demontiert und neuen Nutzungen zugeführt. So geschehen u.a. in den beiden Projekten Wikado und Villa Welpeloo.

Wikado, © Jos de Krieger/2012Architecten

Wikado, © Jos de Krieger/2012Architecten

Für Wikado wurden alte Rotorblätter von Windkraftanlagen in eine Spiellandschaft für Kinder überführt. Allein in Holland fallen jährlich ca. 200 Rotorblätter an, die aufgrund ihrer Materialzusammensetzung nicht reziklierbar sind und aufwendig entsorgt werden müssen.
Die Villa Welpeloo wurde nach dem Konzept “Function follows Form” gebaut – alle verwendeten Materialien wurden in der Nähe des Baugrundes “gefunden” und aufgrund ihrer Beschaffenheit für bestimmte Funktionen innerhalb des Baus ausgewählt. Nicht der Entwurf gab vor, welche Materialien aus aller Welt herangeschafft werden mussten, sondern die Gegebenheiten vor Ort führten zu dem gebauten Ergebnis. Durch geringe Transportkosten und die Benutzung von vorhandenen Materialien eine sehr nachhaltige Form von Architektur, die hoffentlich viele Besucher – nicht nur des Symposiums – inspiriert.

Mehr Fotos der spannenden Arbeiten von 2012 Architects gibt es hier. Mehr tolle Projekte zum Thema “Zweitnutzung” gibt es auf Superuse.org.

* NB