Die Revolution geht weiter: Nachdem im Oktober das französische Künstlerduo Encastrable (Antoine Lejolivet & Paul Souviron) in einem Hamburger Baumarkt temporäre Skulpturen aus dem vorgefundenen Material realisiert hat und wir dort eine illegale Vernissage mit über 100 Besuchern und zufälligen Gästen gefeiert haben, geht das subversive Ausstellungsprojekt PARASITES in die nächste Runde: Am Samstag, 13. Februar 2010, wird der Berliner Künstler The Wa irgendwo in Hamburg ein neues Kunstwerk realisieren. Zitat aus einem Interview: “Some people call my work “urban hacking.” It’s also been called “artivism.” But maybe it’s just a colorful way to make people think, and for me to react. To be honest with you, I don’t really know! I just always have this sentence pop up in my head from Pierre Bourdieu: “La Démocratie c’est un pouvoir et un contre pouvoir qui s’Équilibrent entre eux.” (”Democracy is the balance between people who have power and those who fight against them.”) I do not pretend that we are living in a democracy (most of my work is illegal) and I realize that some people might think what I do is wrong. Most people don’t understand why I do what I do. I use the city as a stage where I express my ideas whether they are “right” or “wrong.” The Wa co-kuratierte übrigens auch diese Adbusting-Ausstellung in Berlin. Mehr dazu bald: Aktuelle Infos zu dem Projekt wird es auf der Webseite, bei Twitter oder Facebook geben.
Die Arbeiten des Sreet Art Künstlers Specter sind subversive Interventionen im öffentlichen Raum. Leerstanddesign durch verfremdete Ladenschilder, kunstvoll verzierte Papptore als Irritation im Stadtbild, eine Hängebrücke zur Verbindung von Wohnhäusern, eine Schabe auf einer Burgerreklame oder inszenierter Verfall von Häsusern mithilfe von gemalten Rissen und zugefügten Backsteinen – ein Fall für unsere Reihe “Urbane Gestaltung“. Einfach großartig und ganz nach unserem Geschmack.
Keith Haskel: “New York City is covered with illegal billboards and advertisements. One random day, civilians decided to take back the public space by covering over 120 illegal billboards with original works of art.”
Unendliche Rohstoffe und Möglichkeiten: Die französischen Künstler Antoine Lejolivet, 35, und Paul Souviron, 29, realisieren unter dem Pseudonym Encastrable temporäre Skulpturen illegal in Baumärkten. Zum Debüt der neuen Hamburger Ausstellungsreihe “PARASITES – illegal exhibitions” werden die beiden Bildhauer, ehemalige Studenten der Straßburger Kunsthochschule ESAD Straßburg, neue Installationen und Skulpturen in einem Hamburger Baumarkt präsentieren und zum ersten Mal eine Vernissage feiern (inklusive Schampus, Schnittchen und Führungen) – und das bis zum Rauswurf. Denn die Grundregel des Duos lautet: “Falls der Verkäufer eines Geschäfts uns eine offizielle Genehmigung erteilt, dann hören wir sofort damit auf.”
PARASITES präsentiert vier Mal im Jahr subversive Ausstellungen mit internationalen Künstlern in Hamburg. “Wir sind die Schweinegrippe der Kunstwelt”, erklärt der künstlerische Leiter Konrad Verwelkt. “Du kannst uns nicht entkommen, wir schleichen uns in das System, wir sind die Revolution auf Samtpfoten. Neue Räume für Off-Kultur schaffen? Wozu? Es gibt doch genug Räume – man muss sie sich nur nehmen! Street Art hat die Straße zur Galerie gemacht, wir machen die ganze Welt zu einer Ausstellung! Am 19. September sind wir in einem Baumarkt – aber morgen vielleicht schon in Deinem Wohnzimmer.”
SAMSTAG, 19. SEPTEMBER, AB 18 UHR IM BAUMARKT MAX BAHR, JESSENSTRASSE 11, HAMBURG-ALTONA
Wir stehen der subversiven alternativen Street Art ja schon länger nahe – die “Sofortmaßnahmen” in unserer Diplomarbeit “Operation 030″ beweisen das anschaulich. Hier noch ein bißchen mehr davon, in diesem Fall von Street Artist Vinchen:
Wie versprochen folgt hier nun das Tutorial zur Herstellung von umweltfreundlichen Stickern von Keri Smith aus ihrem fabelhaften Buch “The Guerilla Art Kit”.
Das Tutorial ist auf englisch also müssen schon wieder die Dictionaries bemüht werden – aber das hält schön fit im Kopf . Nach der Lektüre der Anleitung ist man in der Lage, sich zu jedem gesellschaftlich relevanten Thema auf umweltfreundliche Art visuell auszudrücken. Vom “Keine Werbung, bitte”-Aufkleber auf dem Briefkasten über den “Heute Auto einfach mal stehenlassen, bitte”-Sticker am Parkautomat bis hin zum “Heirate mich, bitte”-Poster an der Hauswand der Geliebten – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. SWWSW-Tipp: Recyclingpapier benützen.
Noch zwei Hinweise: Die Haltbarkeit der umweltfreundichen Sticker ist draussen natürlich begrenzt bis zum nächsten Wolkenbruch und eine Unze sind umgerechnet etwa 28,35 Gramm.
Nach langer Zeit wird nun mal wieder ein Stück feinster Motivationslektüre präsentiert. Es ist nicht neu und auch nicht unbekannt und trotzdem immer wieder ein Quell der Inspiration und Lebensfreude – “The Guerilla Art Kit”.
Keri Smith hat mit diesem vortrefflich gestaltetem Buch den Begriff des Guerilla Artist – der grimmig entschlossene Ausnahmekünstler, immer auf der Flucht vor dem Gesetz – ausgeweitet auf jeden, der seine Umwelt und die Gesellschaft mitgestalten will.
photo by Julia Kahl -> slanted
Dazu ein paar Worte aus dem Pressetext von “Princeton Architectural Press”. Achtung! Dictionaries aufgeschlagen, ich habe heute ausnahmsweise keine Zeit alles zu übersetzen:
By leaving art and ideas in public places, you can affect someone’s day–change their mood or their mind–and maybe even change the world in the process! The Guerilla Art Kit shows how small artistic acts can start a revolution. Keri Smith, noted author of Living Out Loud and the blog Wish Jar Journal, uses her unique drawing and handwriting style to help anyone find and release their inner artist or activist. This visually exciting activity book–full of step-by-step exercises, cutout projects, sticker ideas, and more–has both fun assignments and handy tips to help you unleash your creative energy into the streets, where you can really make an impact. This visually exciting activity book–full of step-by-step exercises, cutout projects, sticker ideas, and more–has both fun assignments and handy tips to help you unleash your creative energy into the streets, where you can really make an impact. From the quick exercises–leaving books for strangers to find, chalking quotes on the sidewalk–to the more involved–making a “wish tree,” guerilla gardening, or making your own stencils–The Guerilla Art Kit contains everything you need to put your message out into the world.
Bliebe noch zu erwähnen, daß die Texte charmant und die Selbermach-Anleitungen liebevoll illustriert und leicht verständlich sind und das Buch an sich ein Stimmungsaufheller und kreativer Motivator ist.
photo by Julia Kahl -> slanted
Schon bald werde es an dieser Stelle einen Auszug aus diesem exzellenten Buch geben – ein Tutorial zur umweltfreundliche Stickerherstellung.
Bis dahin – Ärmel hoch und ran ans Werk!
photo by Julia Kahl -> slanted
Wer weitere Einblicke ins Buch und noch mehr Fotos zu sehen wünscht kann dies bei slanted tun. Von dort sind auch die wunderbaren Fotos, die diesen Artikel schmücken – danke slanted!
Poster Pocket Plants ist eine Mischung aus alternativer Street Art, Guerilla Gardening und Adbusting und ein großartiger Beitrag zu unserer Serie “Urbane Gestaltung”. Die beiden “Erfinder” der Plakatbepflanzung, Eric Cheung und Sean Martindale, sehen sich als Rückeroberer des öffentlichen Raumes, der vorher massiv von Werbeflächen okkupiert wurde. Und die beiden möchten mit dieser Aktion alle dazu aufrufen, sich ebenfalls an der friedlichen Rückgewinnung des urbanen Raumes mit innovativen und inspirierenden Aktionen zu beteiligen. Sehr richtig – Taten sind gefragt. Denn ma los!
Mehr Bilder und die ganze Reportage gibt’s unter torontoist.com
Joshua Allen Harris verwandelt tote Plastiktüten in gigantische lebendige Tiere – Zauberei? Mitnichten, aber das Werk eines kreativen Geistes mit einer großartigen Idee. Harris klebt alte Plastiktüten mit Klebeband zusammen und befestigt sie über den Lüftungsgittern der New Yorker U-Bahn, wo der Luftzug ihnen stoßweise Leben einhaucht.
Man kann darin eine Visualisierung des Artensterbens durch den Klimawandel sehen, die Versinnbildlichung eines von kurzen komatösen Pausen unterbrochenen Lebens in Highspeed oder endlich mal eine gelungene Verwandlung von Müll in Kunst. Man kann sich aber auch einfach nur über diese überraschende Störung des Alltags freuen.
Sein “Air-Bear” wurde auch vom Environmental Defense Fund ausgezeichnet und im Video ihrer Anti-Global-Warming-Kampagne verwendet.