Zweckentfremdeter Kinderbespassungsdelfin aus dem Einkaufszentrum, artgerecht verheddert im Thunfischfangnetz, lebensecht über eine Öltonne inklusive Leck springend – eine öffentliche Irritation der subversiven Sorte von Banksy, dem Streetart-Helden.
Dieses alte Schuhwerk hat eine zweite Karriere gestartet als Pflanzbehältnis in den „Gärten von Appeltern“ in den Niederlanden. Doch Karrieren sind vergänglich, und in diesem Fall kann man sogar in Ruhe dabeizuschauen. Und irgendwann werden die ehemals karrieregeilen Schuhe eins werden mit Mutter Natur. So kann’s gehen.
Also, Memento mori, verehrte Karrieristen, immer schön Memento mori.
Noch ist es öfter schön als fies draussen – also raus aus der Bude, rin in die urbane Stadtnatur! Und wo isses da am schönsten? Richtich, am Moritzplatz.
Nicht nur weil S.W.W.S.W. da zu finden ist, sondern auch wegen der wunderbaren Prinzessinnengärten. Und dies nicht nur, wegen des gemütlichen Gartencafés/Biergartens, sondern auch wegen des kürzlich dort errichteten vagabundierenden Baumhaus-Zirkus-Restaurant-Kunstprojektes von Tony Hornecker namens „The Pale Blue Door – The Garden“.
Wenn Tony Hornecker auf Reisen geht, dann schliesst er nicht einfach seine blassblaue Londoner Wohnungstür hinter sich, sondern er schmeisst sie zusammen mit einem Haufen Werkzeug und seiner Crew in einen alten Ford Transit und nimmt sie mit. Irgendwo wird dann halt gemacht, das Lager aufgeschlagen, Sperrholz, Bestuhlung und Dekor von der Strasse aufgesammelt und ein vagabundierendes Hüttendorf gebaut. So auch im Prinzessinnengarten. Hier eröffnet “THE PALE BLUE DOOR – THE GARDEN” in 7 Baumhäusern und 7 Séparées am Donnerstag, den 12.8 – der Nacht, in der die meisten Sternschnuppen zu sehen sein werden. Als Extra sorgt ein Getränkelift für den Nachschub aus dem Gartencafé.
Der Getränkelift ist allerdings eine kleine Sensation. Drum auf, auf zum Moritzplatz!
Ob und was man alles in Berlin sieht, ist eine Frage des Blickwinkels, wie die Bilder aus der Bergmannstr. beweisen – smart street art! Funktioniert übrigens aus verschiedenen Perspektiven (s.u.).
Die amerikanische Künstlerin Ann P. Smith verbringt ihre Tage mit dem Kreieren kleiner roboterähnlichen Tierfiguren aus kaputten Elektronik- und Maschinenteilen. Und auf ihrer Website gibt es noch ein paar herrliche Motion Pictures von Pferden und Raptoren zu bewundern. Einzigartig, wunderbar und trash chic!
Mario Caicedo-Langer kommt aus Bogota, Kolumbien, und er macht Skulpturen, Requisiten, Spielzeug, Accessoires und andere seltsame Sachen, mit gewöhnlichen, recycelten und wiederverwendeten Materialien (Banausen würden sagen Müll), wie Deo-Deckeln, Computer-Teile und alles, was er auf dem Flohmarkt und der Straße so findet – mit ganz famosem Ergebnis, wie wir finden!
Afghanistan | Open for Blitzness
A bleeding clock displaying Afghanistan local time (AFT) is placed in a public space in Helsinki (EEST time). Location World Trade Center.
Glitsh – ein Streetartist aus Schweden, der meisterlich subversive Straßenkunst und Shopdroppingprojekte realisiert, wie z.B. die oben zu sehende „Bleeding Clock Afghanistan“ oder den unten abgebildeten Austausch eines Hello Kitty-Puzzles gegen ein Kriegsbild.
Der DMY is vorbei, aber unsere persönlichen Highlights der Hauptausstellung im Hangar des Flughafen Tempelhofs blieben hier bisher unerwähnt. Damit soll jetzt Schluss sein. Wir stellen vor: den unvergleichlichen Chrono-Shredder!
Der Chrono-Shredder ist das Werk der Wahlberlinerin und Designerin Susanna Hertrich und ist wahrhaft ein Zeitfresser. In Echtzeit shreddert er jeden Kalendertag, als wenn’s kein Morgen gäbe. Doch die Zeit geht nicht spurlos vorbei – was vom Tage übrigblieb, liegt in einem stetig wachsenden Wust von geshredderter Lebenszeit am Boden.
Oh ja, wir kennen das – eben lag der Tag noch knackfrisch vor einem, die Zeit schien gerade noch in ausreichendem Maß vorhanden, doch am Ende desselben ist nur ein unansehnlicher Haufen Halberledigungen übrig, auf den wir kopfschüttelnd und mit nässendem Auge blicken. Na, zum Glück ist ja WM,da kann man die Augen-Feuchtigkeit rasch wegdrücken und zum Public Viewing gehen, dann hat man das immerhin erledigt.
Aber um den Faden nicht ganz zu verlieren, hier jetzt noch ein paar Hintergrundinformationen zu der Designerin: Susanna Hertrich gestaltet gern an der Grenze von Kunst und Wissenschaft, schätzt und entwirft Critical Design und beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit Fragen nach psychologischen Dilemmas, vernachlässigten Bedürfnissen und unseren Hoffnungen und Träumen in Relation zu wissenschaftlichen Errungenschaften und neuen Technologien.
Hier mal ein Beispiel für die Visualisierung der tieferen Bedeutung eines Textes vom Designer Stephen Doyle.
Möglicherweise handelt es sich bei dem Buch um „Krieg und Frieden“ von Tolstoi und aufgeschlagen ist gerade eine Seite, bei der es nicht um Frieden geht – aber das ist reine Spekulation der Autorin.