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Cradle to cradle à la TV

Das hier schon mehrmals erwähnte und gelobte Prinzip des ‘Cradle to Cradle’ ist  fernsehtauglich geworden – und durchaus zu recht.
So konnten Nachteulen neulich in der ARD-Sendung ‘titel thesen temperamente’ Zeuge der Vision werden, dass “schön in Zukunft nur das ist, was nachhaltig produziert und ein Leben lang haltbar ist”.
Zja, schöner wär’s, wenn’s schöner wär, wir haben’s ja schon immer gesagt.

via daserste.de

*MG

Cradle to Cradle – Festival in der Galerie Aedes

Heute eröffnet in der Galerie Aedes im Prenzlauer Berg eine Ausstellung zum Thema Cradle to Cradle –  „von der Wiege bis zur Wiege“.

Das Cradle to Cradle®-Design Konzept ist als eine Strategie des Wandels auf dem Weg zu einem neuen Wirtschaftssystem zu sehen. Das Prinzip „von der Wiege bis zur Wiege“ basiert auf der Auffassung, dass Umweltschutz nur erfolgreich sein kann, wenn Produkte im Hinblick auf ihren gesamten Lebenszyklus entwickelt werden. Diese Produkte produzieren daher keinen Müll und sind eine Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit. Die Ausstellung visualisiert das Cradle to Cradle®- Prinzip und seine ökologischen wie ökonomischen Wirkungsweisen. Im Fokus stehen, unter anderem Produkte und Stadtplanung in den Niederlanden.

Die Eröffnung ist heute, Mittwoch, 26. Januar, um 18.30 Uhr. Zur Eröffnung sprechen u.a. Prof. Dr. Michael Braungart vom EPEA, Mitbegründer und Entwickler des Cradle to Cradle-Prinzips.
Die Ausstellung ist bis zum 16. März 2011 zu sehen.

Zusätzlich gibe es Donnerstag und Freitag ein Begleit-Programm, das sich u.a. mit der Fragestellung beschäftigt, inwieweit die Prinzipien von Cradle to Cradle auf Städtebau und Raumplanung anwendbar sind und welche politischen Rahmenbedingungen es braucht, um die notwendigen Prozesse eines effektiven und umfassenden ökologischen Handelns zu beschleunigen.
Genauere Informationen gibt es auf der Seite vom ANCB – Aedes Network Campus Berlin.
Der Eintritt zur den Workshops ist frei (um Anmeldung wird gebeten).

Wo? Galerie Aedes Am Pfefferberg, Christinenstraße 18-19, 10119 Berlin
Öffnungszeiten:
Di bis Fr 11.00 bis 18.30 Uhr, Sa und So 13.00 bis 17.00 Uhr

*NB

Nachhaltiges Gestalten – Druck und Papier (08)

Cradle to Cradle & Einwegpapiere

Satino – das erste C2C Toilettenpapier

Satino – das erste C2C Toilettenpapier

Ein Cradle to Cradle-Projekt, das im weitesten Sinne in unsere Serie Druck und Papier passt, ist die Entwicklung von Toilettenpapier und Papierhandtüchern zusammen mit Van Houtum Papier: Satino. Hergestellt aus Altpapier, das besonders selektiert wurde (der aufmerksame Leser wundert sich…) wird es mit besonders geprüften Chemikalien behandelt, die keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt haben, so dass es komplett biologisch abbaubar ist – für Toilettenpapier eine durchaus wünschenswerte Lösung. Leider ist es in Deutschland nur für den Gastro-/Bürobedarf erhältlich, aber immerhin.

Stellt sich für uns nur die Frage: Wenn wir jetzt Postkarten aus Toilettenpapier machen – mit welcher Farbe können wir darauf drucken? Oder doch Lasergravur? Ihr dürft gespannt sein.
Eine durchaus amüsante Information aus dem Buch “Die nächste industrielle Revolution – Die Cradle to Cradle-Community” zu dem Projekt möchte ich hier noch weitergeben: (Zitat von S. 196):

[…] Die erzielten Resultate und die Reaktionen des Marktes haben bereits zu einer Ausweitung der Projektbandbreite auf folgende Ziele geführt: * Versorgungsketten im Kreislauf mit den Endkunden, um ein immer saubereres Altpapier-Angebot (Cradle to Cradle) zu erhalten. […]

Ein Kreislauf mit dem Endkunden … Was das in Bezug auf Toilettenpapier heißt, wage ich mir bei aller Umweltfreundlichkeit nicht vorzustellen.

*NB

Nachhaltiges Gestalten – Druck und Papier (06)

Unsere Anfrage an Greenpeace: Was ist von der Ökobilanz besser – Recyclingpapier oder FSC-zertifiziertes Papier?

Greenpeace_LogoWie angekündigt, möchten wir hier unseren Mailverkehr mit Greenpeace wieder geben, um erstens zu illustrieren, wie viele Themenfelder die Auseinandersetzung mit Druck und Papier anschneidet, und zweitens zu zeigen, wie schwierig und zeitaufwendig es ist, Antworten zu erhalten.
Auch bei Greenpeace hat es allein einen Monat gedauert, bis ich eine Rückmeldung erhalten habe (mehrmaliges Hinterhertelefonieren eingeschlossen), da sie für diesen Bereich eigentlich keinen Ansprechpartner mehr im Haus haben. Hier also unsere Anfrage:SWWSW_Siegel

Liebes Greenpeace-Team,

bei unserer Recherche (zur Produktion umweltverträglicher Papeterieprodukte) sind wir auf zwei – aus unserer Sicht – Knackpunkte gestoßen: 1. Es gibt Befürworter von Recyclingpapier einerseits und Befürworter von FSC-Papier andererseits und: 2. Die Ökobilanz der in Druckereien verwendeten Druckfarben, selbst wenn sie nicht mineralölbasiert sind, ist meistens “nebulös”.
Vielleicht können Sie uns ein paar Fragen beantworten? Das wäre toll und hilfreich!

Greenpeace nehmen wir als eindeutigen Befürworter von Recyclingpapieren wahr. Neben der schon bedeutenden Energie-, Wasser- und CO2-Ersparnis bei der Herstellung von Altpapier bleibt für uns jedoch immer wieder die Frage offen, wie es mit der chemischen Behandlung von Altpapier aussieht. Ein Druckermeister (Befürworter von FSC-Papieren) hat uns seinerseits eher von Recyclingpapier abgeraten und stattdessen FSC-zertifiziertes Papier empfohlen, da hier der Prozess der Bleichung der Sekundärfaser flach fällt und weniger Chemikalien anfallen. Darüber hinaus meinte er, dass die Problematik bestünde, je häufiger Sekundärfaser wieder in den Kreislauf eingespeist würde, desto mehr Leim- und Zusatzstoffe müssten dem Papier beigemischt werden = mehr Chemie im Papier. Wir sind (noch) keine Experten und finden es schwierig, auf solche Argumente zu antworten.

Deshalb unsere erste Frage: Ist mehr (und evtl. schädlichere) Deinking-Chemie notwendig, um die Druckfarbe aus Altpapier auszuwaschen, oder sind die Aufschluss-Chemikalien, die zur Gewinnung der Fasern für Frischzellpapiere benötigt werden, genauso/ähnlich schädlich?
Diese Frage wurde mir weder im “HINTERGRUNDPAPIER:  ÖKOBILANZEN FÜR GRAPHISCHE PAPIERE” des Umweltbundesamtes, noch in der Studie “Ökologischer Vergleich von Büropapieren in Abhängigkeit vom Faserrohstoff” des IFEU genau beantwortet, weil beide Studien nicht auf FSC-zertifizierte Papiere eingehen. [...] Aber vielleicht ist die Ökobilanz der FSC-Papiere eben nur hinsichtlich der ökologischen Waldwirtschaft, aber nicht hinsichtlich des Energie-, Wasser- und CO2-Verbrauchs besser…?

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Nachhaltiges Gestalten – Druck und Papier (05)

Papierverbrauch in Deutschland

Würde man alleine das in Deutschland jährlich verbrauchte Kopierpapier aufeinanderstapeln, ergäbe dies einen Turm von 16.000 Kilometern Höhe. Zum Vergleich: Die Flughöhe der Raumstation ISS beträgt 400 Kilometer.

Würde man alleine das in Deutschland jährlich verbrauchte Kopierpapier aufeinanderstapeln, ergäbe dies einen Turm von 16.000 Kilometern Höhe. Zum Vergleich: Die Flughöhe der Raumstation ISS beträgt 400 Kilometer.

Zwischendurch in unserer Serie einfach mal ein paar Fakten: Im Jahr 2004 lag der Papierverbrauch in Deutschland bei durchschnittlich 236 kg pro Kopf – der Weltdurchschnitt dagegen bei 56 kg. Zwischen 1950 und 2004 stieg der Gesamtverbrauch somit von 1,6 auf 19 Tonnen – also um mehr als das elffache (Quelle: Kritischer Papierbericht 2005). Inzwischen liegt der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland schon bei 250 kg, womit Deutschland heute schon mehr Papier verbraucht als der afrikanische und südamerikanische Kontinent zusammen.

Allein die Zahlen verdeutlichen, dass es sich lohnt, über den Umgang mit Papier nachzudenken … und etwas zu ändern.
Oberste Prioriät: Weniger Papier zu verbrauchen, und zwar in allen Bereichen – vom Klopapier bis zum Hochglanzmagazin.

rechtsKleiner Tipp zwischendurch: Papier doppelseitig bedrucken und einseitig bedrucktes Papier (Makulatur) für Notizen weiter verwenden.
Und das “neue” Papier, das verbraucht wird, sollte Recyclingpapier – mit dem blauen Engel ausgezeichnet – sein. Das ist der derzeitige Stand der Dinge. So einfach und doch manchmal so kompliziert. Warum?
Es gibt eine Menge Vorurteile gegenüber Recyclingpapieren, und – je nach Ansprechpartner – werden Informationen unterschiedlich gewichtet. (Die häufig genanntesten Einwände und was dahinter steckt erläutern wir in einem weiteren Beitrag).

Die Sicht aus einer Cradle to Cradle-Perspektive haben wir schon vorgestellt und die damit verbundene Problematik – Cradle to Cradle-Produkte sind noch nicht so weit verfügbar, dass sie eine echte Alternative für den “Hausgebrauch” darstellen. Dennoch wollten wir die in dem Kontext angesprochene Problematik – aufgrund von Bedruckung und Entfärbung belastetes Altpapier im Gegensatz zu “unbelastetem” Frischfaserpapier – noch näher beleuchten. Da wir selbst keine Experten sind, haben wir uns deshalb mit ein paar Fragen an Greenpeace gewannt – für uns eine echte Institution in Sachen Umweltschutz. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

*NB

Nachhaltiges Gestalten – Druck und Papier (04)

Cradle to Cradle & Drucken auf Papier: Ein freundliches Telefonat mit einer Mitarbeiterin der EPEA

cradle_to_cradleDie EPEA (Environmental Protection and Encouragement Agency) in Hamburg ist ein Forschungsinstitut, das Unternehmen unterstützt, die ihre Produktionsverfahren auf das Cradle to Cradle-Prinzip umstellen wollen.
Nach dem erhellenden Vortrag von Prof. Braungart (s. letzten Beitrag in dieser Serie) waren wir ganz angespitzt zu erfahren, wie wir als Designerinnen cradle to cradle-Papierprodukte umsetzen können (nun ja, man mag es naiv nennen, aber wir dachten: feine Sache, da machen wir mit!). Nach dem Stand unserer Informationen war anscheinend die Druckfarbe der Teil, der für die schädlichen Rückstände in Recyclingpapier sorgte und das Papierrecycling an sich in Frage stellte…

Also rief ich beim EPEA an, um herauszufinden, welches Unternehmen Farben für den Offsetdruck oder auch Digitaldruck herstellt, die dem Cradle to Cradle-Ansatz entsprechen, und mit welcher Druckerei wir zusammen arbeiten könnten.
Ergebnis: Kein Unternehmen stellt derartige Farben her – bisher. Und darüber hinaus ist es sozusagen unmöglich, an genaue Informationen zu kommen, woraus Farben und Färbemittel überhaupt bestehen. Denn die Farbenindustrie ist sehr bedacht darauf, ihre Rezepturen zu schützen. Der ganze Prozess der Papierherstellung und des Bedruckens von Papier mit Farbe müsste neu erfunden werden. Weiterlesen

Nachhaltiges Design: Cradle to Cradle

cradletocradleWie im letzten Beitrag bereits angekündigt, folgt nun eine detailliertere Beschreibung des Cradle to Cradle-Prinzips für alle Interessierten.
Konventionelle Produktionsweisen arbeiten nach dem Prinzip “Cradle to Grave”: Ein Produkt wird produziert, benutzt, und dann entsorgt – oft mit nicht unerheblichem Schaden für die Umwelt. Auch Strategien, die Umweltbelastung von Produkten zu verringern, bleiben trotz allem diesem Schema verhaftet: Es wird versucht, Schadstoffe zu reduzieren, den Energieverbrauch zu senken, öko-effizient zu sein: das Grundkonzept der Industrieproduktion bleibt unangetastet. Auch der konventionelle Recyclingprozess, oft viel zu teuer, produziert Stoffe, die immer minderwertiger sind als vor dem Recycling – es gibt kein sog. “Upcycling”, sondern nur “Downcycling”.

Das Cradle to Cradle-Prinzip, entwickelt von Michael Braungart und William McDonough, bricht mit der “Produktion für die Mülltonne” und baut im Wesentlichen darauf auf, dass in der Natur Abfall immer auch Nährstoff für andere Lebewesen und Pflanzen ist. Und dass es in der Natur viele Beispiele für Verschwendung gibt, die dennoch nicht die Lebensgrundlage für andere Lebewesen gefärden. Es baut auf zwei Kreisläufen auf: einem für technische, einem für biologisch abbaubare Stoffe. Im technischen Kreislauf zirkulieren diejenigen Materialien und Produkte, die nach Benutzung recycelt und wieder zu neuen technischen Stoffen – ohne Wertverlust – verarbeitet werden können: sog. “Gebrauchsgüter”. Im biologischen Kreislauf zirkulieren die sog. “Verbrauchsgüter”, die nach ihrer Nutzung durch biologische Zersetzung wieder Nährstoff für die Natur sind – ohne toxische Rückstände.

BioCycle_small

© EPEA

Beispielhaft für ein “Verbrauchsgut” und den biologischen Kreislauf sei hier ein Projekt aus dem Bereich Bekleidung vorgestellt: ein kompostierbares Baumwoll-T-Shirt von Trigema (in Sachen Schnitt und Design vielleicht nicht gerade das Must-Have der Saison…), das mit einer synthetisch hergestellten, kompostierbaren Farbe gefärbt wurde. Der Zersetzungsprozess des T-Shirts ist auf der Seite von Trigema zu bewundern – auch wenn wir unsere alten T-Shirts lieber den Franziskanern geben für ihre Kleiderkammer.

© EPEA

© EPEA

Ein weiteres Projekt, das oft genannt wird, ist der “Mirra“-Stuhl von Hermann Miller (zu erwerben für schlappe 1.426 Euro bei memo, ab 3 Stück gibt´s Rabatt!). In einem schweißtreibenden Prozess wurde dieser Stuhl über Jahre von der Firma unseres ehemaligen Professors Burkhard Schmitz, Studio 7.5,  entwickelt: Ein Beispiel für ein Produkt, das zu 95% aus recycelbaren, ungiftigen Materialien besteht, die praktisch ohne Wertverlust in einen technischen Stoffkreislauf zurückgeführt werden können. Dies liegt vor allen Dingen daran, dass der ganze Stuhl in seine Einzelkomponenten zerlegt werden kann, die dann jeweils wieder einer neuen Nutzung zugeführt werden können.

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