Nachhaltiges Gestalten – Druck und Papier (02)

Märchen & Mythen – Holzfreies Papier oder:
Tue ich der Umwelt etwas Gutes, wenn ich holzfreies Papier kaufe?

holzfreiGemeinhin könnte man annehmen, dass auch bei Papier „drin ist, was drauf steht“ – oder in diesem Fall besser: drin fehlt, was drauf steht – nämlich Holz. Dies ist allerdings ein weit verbreiteter Irrtum und könnte auch gut in die Kategorie „Irreführung des Verbrauchers“ passen. Holzfreies Papier heißt nämlich nicht, dass für dieses Papier keine Bäume gefällt werden mussten, sondern dass dieses Papier kein Lignin (Holzstoff) enthält.

Was ist Lignin? Der Holzstoff Lignin findet sich zwischen den Zellen der Holzfaser und verklebt diese miteinander. Papier, das Lignin enthält, altert schneller – es verfärbt sich braun und wird brüchig, da Lignin die Eigenschaft hat, mit Sauerstoff und Licht zu reagieren. Sog. „holzfreies“ Papier ist deshalb hochwertiger und alterungsbeständiger – was für viele Zwecke wichtig ist.

Die Bezeichnung „holzfrei“ trifft damit aber keinerlei Aussage zur Umweltfreundlichkeit des Papieres, noch deutet es daraufhin, dass dieses Papier aus anderen Fasern wie Baumwolle, Hanf, Leinen, Flachs oder etwa Synthetik besteht.

Holzzellen bestehen im wesentlichen aus drei Bestandteilen:
1. Aus 40 bis 50 Prozent Zellulose. Vor allem dieser Stoff bildet die Zellwände und stellt daher auch die für die Papierherstellung benötigte Faser dar.
2. Aus 22 bis 29 Prozent Lignin. Es findet sich zwischen den Zellen und verklebt diese miteinander.
3. Aus 25 bis 33 Prozent Hemi-Zellulose. Auch diese wirkt im Holz als Zellen verbindender Kitt. Sie senkt ebenfalls die Qualität des Papiers.

Zu Beginn der Verwendung von Holz zur Papierherstellung wurde das geschliffene Holz direkt verwandt. Dieses Papier hatte die unangenehme Eigenschaft, sich im Laufe der Zeit braun zu verfärben und wurde sogar so brüchig, dass die Seiten zerfallen konnten. Erst als es gelang, die Zellulose vom Lignin und der Hemi-Zellulose zu trennen, konnten dauerhafte und hochwertige Papiersorten hergestellt werden.

Zitat: Planet Wissen

Doch ist dies auch gleichzeitig der Grund, warum zur Papierherstellung von Frischfaserpapieren so viel Holz benötigt wird. Die Ausbeute an Zellulose kann nicht höher sein als der Zelluloseanteil im Holz. Von daher: Wer der Umwelt und den Bäumen etwas Gutes tun will, verwendet Recyclingpapier – aber dazu mehr im nächsten Beitrag.

rechtsTIPP:

Nachhaken und hinterfragen – beim Kauf Erklärungen für Bezeichnungen, Siegel und Zertifikate einfordern, wenn man sie nicht versteht. Getreu dem Motto: „Wieso, weshalb, warum? – wer nicht fragt, bleibt dumm“.

* NB

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Eine Antwort zu “Nachhaltiges Gestalten – Druck und Papier (02)

  1. Apfelpapier, ein Papier das zu 100% aus den Resten der Apfelsaftproduktion hergestellt wird und uns deshalb als nachhaltiges Papier gelten kann. Via Modulor-Blog:
    http://www.modulor.de/blog/?p=2510

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