Monatsarchiv: August 2009

Nachhaltiges Gestalten – Druck und Papier (11)

Papier & Chemie

SWWSW_SiegelGrundsätzlich ist es schwierig, sich als Außenstehender ein umfassendes Bild von den Prozessen, die bei der Papierproduktion und beim Druck eine Rolle spielen, zu machen (Genaueres zur Papierherstellung demnächst). Das Forum Ökologie & Papier (leider haben sie keine Homepage) begleitet seit 1990 „kritisch unser Papier auf allen seinen Wegen“ und kümmert sich um die Hintergründe. FÖP hat u.a. Studien wie den „Kritischen Papierbericht“ 2004 und 2005 herausgegeben, auf den allernorts Bezug genommen wird, wenn es um Fakten in bezug auf die Umweltbilanzen von Papier geht. FÖP arbeitet z.B. auch mit an den Bedingungen für die Vergabe des Umweltsiegels, des „Blauen Engels“.

Im letzten Artikel und in Beitrag 07 in dieser Serie war die Frage offen geblieben, inwiefern die Chemikalien beim Bleichen von Altpapier schädlicher sind als die Aufschluss- und Bleichchemikalien zur Gewinnung von Primärfaserpapier. Diese Frage hatte ich auch an das Forum für Ökologie & Papier gemailt, und bekam folgende Antwort:

Die Argumente, mit denen Sie zu kämpfen haben, sind seit gut 2 Jahrzehnten immer dieselben geblieben und bewegen sich stets auf der Ebene von Vorurteilen und Binsenirrtümern.

In aller Kürze:
1. Die Chemikalien beim Deinking sind seifenähnliche Waschmittel und daher nicht mit den „harten“ Bleichchemikalien bei der Primärfaserherstellung vergleichbar.
2. Der Gesamtwasserverbrauch liegt nach wie vor beim Primärfaserpapier aufgrund der Fasergewinnungsschritte deutlich über dem von Recyclingpapier mit Deinking.
3. Druckfarbenhersteller nehmen wie Klebstoffhersteller und überhaupt alle Papierverarbeiter so gut wie keine Rücksicht auf Recycling- und Deinkbarkeit. Hier wie fast überall haben wir es mit einer verantwortungslosen „end-of-pipe“-Mentalität zu tun.
4. RC-Papiere mit Umweltengel sind genauso gut und staubfrei wie Primärfaserpapiere. punktum.

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Gigantischer Filzwal von Tristin Lowe

photo via make:

photo via make:

Mocha Dick, der gigantische Wal aus Filz, ist eine Kreation des Künstlers Tristin Lowe. Der kleine Racker ist zu bewundern in einem Stoffmuseum in Philadelphia. Und was macht er da? Er setzt ein massives ökologisches Zeichen, das schwerlich zu übersehen ist.

Das Ausstellungstück ist eine naturgetreue und lebensgroße Nachbildung eines Weißwals, auch Beluga genannt, der schon Melville zu seinem Roman „Moby Dick“ inspirierte. Er ist aus 2743,20 qm weißem, ca. 2 cm dickem, hundertprozentigem Wollfilz mit 267 per Hand aufgenähten Seepocken. Und er soll einerseits auf die durch die Walfangindustrie immer weiter schrumpfenden Walbestände der Weltmeere aufmerksam machen und andererseits dem Betrachter die schiere Masse an Leben verdeutlichen, die der Mensch dem Meer gewaltsam raubt.

Wer  jetzt nicht zufällig in Philadelphia weilt, um Mocha Dick in natura zu bestaunen, kann sich  hier ein Bild von der Größe und Schönheit der echten Meeresgiganten machen und sich unter stopbloodywhaling.org näher informieren, spenden oder einen Buckelwal adoptieren.

whale

via TreeHugger

*SR

Nachhaltiges Gestalten – Druck und Papier (10)

above_magazin_01Im Juni erschien die erste Ausgabe des englischen „Above-Magazins“ mit dem Titel „Head Above Water“. In ihrem Mission-Statement schreiben die Herausgeber: „It is our firm belief that photography, the plastic arts, fashion, architecture and design can be instrumental in raising awareness about the need to preserve nature and we aim to share our opinionated, yet aesthetic vision, with our readers.“ (Ich habe probiert, den Satz galant ins Deutsche zu übersetzen, habe es dann lieber gelassen…) Das Magazin steckt voller interessanter Artikel über nachhaltige Architektur, nachhaltiges Design und Menschen, die die Welt verändern. Schon allein die Anzeigen von Act Responsible sind sehenswert.

Toll fand ich, dass im Impressum auch auf den Druck und die Entscheidung für das Papier eingegangen wurde. Aber was stand da?
„The process of bleaching recycled paper to create a brilliant white causes more damage to the environment than producing paper from sustainably sourced pulp.“ Übersetzt: Der Bleichvorgang, um aus Altpapier ein Papier mit brilliantem Weissegrad zu erzeugen, schadet der Umwelt mehr, als Papier aus nachhaltig bewirtschafteten Resourcen zu produzieren.“ Verwendet wurde Ardent Offset, ein FSC-zertifiziertes Papier mit dem FSC-Label „Mixed Sources“ (mehr dazu ganz bald).

Tja, und da war er wieder, der Knack- und Ausgangspunkt unserer Recherche: Wie verhält es sich mit den Chemikalien, die für die Erzeugung von Recyclingpapier und für Frischfaserpapier benutzt werden? Trifft diese Aussage zu? Weiterlesen

Subversive Street Art von Vinchen

photo by Vinchen

photo by Vinchen

Wir stehen der subversiven alternativen Street Art ja schon länger nahe – die „Sofortmaßnahmen“ in unserer Diplomarbeit „Operation 030“ beweisen das anschaulich. Hier noch ein bißchen mehr davon, in diesem Fall von Street Artist Vinchen:

via designyoutrust

*SR

Selbstjustiz für jedermann – Ikea Guillotine „Sokkomb“

sokkomb1Schnauze voll von steuergeldverschlingenden Rechtssystemen? Da schafft Sokkomb preiswert Abhilfe. Sokkomb – der billigste Weg zur schnellen Selbstjustiz.

Produktbeschreibung:

SOKKOMB is a new low-cost product designed specifically for all those citizens who are so interested in Do-It-Yourself Justice.

Are you full of energy? Have you lots of things to do and too little time to do them? Are you increasingly annoyed by all those criminals, immigrants and petty people who should just be got rid of?

Your dynamic, active rhythm demands quick, summary justice and you are the person to do it, but too often you just don’t have the time and your family is increasingly in danger.

Then you are the person we thought of when we designed “Sokkomb”, an easily-assembled guillotine for the whole family, the practical solution, quick and clean, perfect for all your security needs.

By assembling Sokkomb in the comfort of your own living room, you can relax safe in the knowledge that the punishment will fit the crime. So you can finally be your own boss in your own house.

SOKKOMB is made from the best solid pine and comes equipped with a sturdy blade in stainless steel. It is light and versatile and is guaranteed effective for up to 100 executions a day.

via urbanprankster und rebelart

*SR

PET Project – Miwa Koizumi

Photo by Miwa Koizumi

Photo by Miwa Koizumi

Photo by Miwa Koizumi

Photo by Miwa Koizumi

Miwa Koizumi zaubert aus schnöden gebrauchten PET-Flaschen wunderbare neue Unterwasserwelten:

„I love the idea of using liquid containers to make water animals. Contained/containing, trash/not-trash, like the jelly-fish or anemone: Living/non-living
And I wanted some pets…“

Miwa Koizumi

Photo by Miwa Koizumi

Photo by Miwa Koizumi

Photo by Miwa Koizumi

Photo by Miwa Koizumi

*SR

Prinzessinnengarten – Jungbauern am Moritzplatz

Foto von nomadischgrün

Moritzplatz goes green! Die Jungs und Mädels von „Nomadisch Grün“ setzen dort ein Urban Gardening Projekt allerfeinster Güte um, und wir wollen an dieser Stelle mit Begeisterung davon berichten:

Über ein halbes Jahrhundert dämmerte der Moritzplatz im Schatten der Mauer vor sich hin. Bis zu seiner Zerstörung im Krieg stand an diesem stark belebten Platz ein Wertheimkaufhaus, danach war hier lange die Errichtung eines Autobahnkreuzes geplant, temporär siedelte sich ein Flohmarkt an und die letzten Jahre stand die Fläche brach, wurde von der Ruderalvegetation zurückerobert und der Moritzplatz wurde zum reinen Transitraum.

Der „Prinzessinnengarten“ soll diesen vergessenen Ort zwischen Prinzen- und O-Straße wieder zu neuem urbanen Leben erwecken.

In Städten wie Havanna oder Santiago wird dort schon seit längerer Zeit erfolgreich die so genannte agricultura urbana betrieben. Dabei handelt es sich nicht allein um Gemüseanbau und Selbstversorgung in der Stadt. Die gemeinsame Bewirtschaftung städtischer Freiflächen verwandelt diese Orte zugleich in urbane Lebens- und Arbeitsräume. Hier halten die Nachbarn ihr Schwätzchen, die Erwachsenen geben ihr Wissen an Kinder weiter, man entspannt sich bei einer Tasse Kaffee aus der Thermoskanne.

Auch in New York und anderen nordamerikanischen Städten wird urbane Landwirtschaft betrieben. Hier sind seit den 70er Jahren zahlreiche community gardens entstanden und dies aus den unterschiedlichsten Gründen: um sozial schwache Quartiere zu aktivieren, um sich selbst mit Lebensmitteln zu versorgen, um die Umwelt zu schonen, um den CO2-Ausstoss zu reduzieren, um gut zu essen, um zusammen zu arbeiten, um die Stadt zu verschönern, um die heilende Wirkung von Gärten zu nutzen, um arbeitslosen Jugendlichen eine Aufgabe und Verantwortung zu geben.

„Lass uns so etwas auch in Berlin machen!“, mit diesem Vorsatz hat sich „nomadischgrün“ an die Planung gesetzt. Sie haben aus der Vogelperspektive leere Flächen auf dem Stadtplan gesucht, haben unzählige Telefonate geführt, mit Grundstückseigentümern geredet, haben Helfer und Kooperationspartner gefunden; schließlich sind sie am Moritzplatz fündig geworden, sind durch ein Loch im Zaun geklettert und haben einen Plan aufgestellt.

Foto von nomadischgrün

Und so sieht der in etwa aus: Weiterlesen