Nachhaltiges Gestalten – Druck und Papier (10)

above_magazin_01Im Juni erschien die erste Ausgabe des englischen „Above-Magazins“ mit dem Titel „Head Above Water“. In ihrem Mission-Statement schreiben die Herausgeber: „It is our firm belief that photography, the plastic arts, fashion, architecture and design can be instrumental in raising awareness about the need to preserve nature and we aim to share our opinionated, yet aesthetic vision, with our readers.“ (Ich habe probiert, den Satz galant ins Deutsche zu übersetzen, habe es dann lieber gelassen…) Das Magazin steckt voller interessanter Artikel über nachhaltige Architektur, nachhaltiges Design und Menschen, die die Welt verändern. Schon allein die Anzeigen von Act Responsible sind sehenswert.

Toll fand ich, dass im Impressum auch auf den Druck und die Entscheidung für das Papier eingegangen wurde. Aber was stand da?
„The process of bleaching recycled paper to create a brilliant white causes more damage to the environment than producing paper from sustainably sourced pulp.“ Übersetzt: Der Bleichvorgang, um aus Altpapier ein Papier mit brilliantem Weissegrad zu erzeugen, schadet der Umwelt mehr, als Papier aus nachhaltig bewirtschafteten Resourcen zu produzieren.“ Verwendet wurde Ardent Offset, ein FSC-zertifiziertes Papier mit dem FSC-Label „Mixed Sources“ (mehr dazu ganz bald).

Tja, und da war er wieder, der Knack- und Ausgangspunkt unserer Recherche: Wie verhält es sich mit den Chemikalien, die für die Erzeugung von Recyclingpapier und für Frischfaserpapier benutzt werden? Trifft diese Aussage zu?

Ein Magazin, das neu auf dem Markt erscheint und sich immerhin die Mühe macht, die Entscheidung für ein Papier zu begründen – kann man dem Glauben schenken? Letzter Stand der Dinge war ja bisher: Recyclingpapier ist erste Wahl – und immer FSC-zertifiziertem Papier vorzuziehen (s. Beitrag 07 in dieser Serie). Allerdings konnte mir Greenpeace auch nicht die Frage nach den Chemikalien (De-Inking vs. Aufschluss-Chemikalien zur Gewinnung von Frischfaserpapier) beantworten…

Leicht skeptisch stimmte mich ja die Folienprägung auf dem Umschlag des Magazins sowie vollflächig gedruckte Fotos im Innenteil – denn sowohl Folienprägung (schadet der Reziklierbarkeit des Papiers) als auch vollflächiger Farbauftrag (je weniger Farbe, desto besser) sind durchaus Kriterien, die bei nachhaltiger Gestaltung beachtet werden könnten. (Anmerkung einer Druckereiinhaberin dazu, wie umweltfreundlicher Druck und nachhaltige Gestaltung ineinander greifen sollten: „Da lassen die Auftraggeber Broschüren vollflächig farbig, aber bitte auf Recyclingpapier drucken – da können se sich das Recyclingpapier irgendwann auch sparen…“)

Über Greenpeace konnte ich immerhin einen Kontakt zum „Forum Ökologie & Papier“ (FÖP) herstellen, das ich gleich mit mehreren Fragen zu dem Thema bombadiert habe. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

* NB

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4 Antworten zu “Nachhaltiges Gestalten – Druck und Papier (10)

  1. Hatte das Magazin auch in der Hand und war drauf und dran es für unseren öko-fairen Klamottenladen „gruene wiese“ in Münster zu kaufen. Wir legen dort solche Magazine in unserer Sofaecke aus.

    Abgehalten hat mich allerdings nicht das Papier, sondern die viele Werbung für alles andere als nachhaltigkeitsorientierte Konzerne und der modische Schwerpunkt auf alles andere als zeitloser Avantgard-Fashion. Zu nachhaltigem Design gehört für auch, dass etwas gut gemacht, aber eben nicht zu extrem ist, damit es länger als nur eine Saison genutzt wird.

    Zu der Papierfrage ist meine Einschätzung, dass es wohl am besten ist, ein nicht zu stark gebleichtes Recyclingpapier zu benutzen. So machen wir es auch bei unseren Flyern, Getränkekarten etc.. Lasse mich aber gerne hier eines Besseren belehren und werde nicht nur deshalb immer wieder reinschauen ;)

    • Hallo Lars,
      da hast Du recht – in mehrerlei Hinsicht! Ein Recyclingpapier mit möglichst niedrigem Weissegrad oder sogar ein komplett ungebleichtes UWS-Papier in einer niedrigeren Grammatur sind aus Umweltgründen die erste Wahl – allerdings für Publikationen mit hohem Fotoanteil wahrscheinlich keine wirkliche Alternative, da hier der Fokus auf Hochwertigkeit und Farbbrillanz liegt, was ein leichtes, graues Papier m.E. einfach nicht so bietet. Aber dann müsste eben auch so argumentiert werden – was in diesem Magazin nicht der Fall ist, sondern es wird ihre Entscheidung als die ökologischste Lösung verkauft. In Sachen Mode gebe ich Dir vollkommen recht, dass ein Aspekt von Nachhaltigkeit auf jeden Fall „Zeitlosigkeit“ und damit eine Abkehr vom saisonalen Kleiderschrank-ausräumen-weil-nicht-mehr-en-vogue ist.
      Was die Werbung angeht, finde ich dieses Magazin allerdings eher positiv zu bewerten – insgesamt wenig Werbung, und ein besonderer Fokus auf „Act Responsible“.
      Nicole

  2. Hi Nicole,

    beides, Fotodruck auf nicht all zu weissem Papier (bei Katalogen) und zeitlose Kleidung mit schoenem Design, findest du bei howies.co.uk fein umgesetzt. Bin gerade in UK und werde naechst woche bei denen im Londoner Brandstore vorbeischauen.

    beste Gruesse – Lars

  3. Pingback: Nachhaltiges Gestalten – Druck und Papier (11) « schœner.wærs.wenns.schœner.wær

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